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Fliegen macht Dick
Letzte Woche fand ich mich in 10.000 Metern Höhe in einen Stuhl geschnallt wieder und musste mich entscheiden, ob ich eine Mahlzeit zu mir nehmen sollte, die die Gerichte bei McDonalds als eine wahrlich gesunde Alternative erscheinen ließen, oder ob ich lieber hungern sollte. Ich habe mich für Hungern entschieden.
Ich bin mit Swiss Airlines nach Boston geflogen, und da ich mich fast den ganzen Tag über damit beschäftige, Menschen Tipps zu geben, wie man gesund isst, bin ich wahrscheinlich etwas empfindlich, wenn es um Ernährungsfragen geht.
Auf dem Rückflug war ich besser vorbereitet. Ich brachte zwei Portionen frisch zubereiteten Geflügelsalat mit an Bord, und eine handvoll von proteinreichen, kohlenhydratarmen Mahlzeitersatzriegeln. Außerdem hatte ich noch eine leere Kühlbox dabei, mit der ich ein Experiment durchführte. Ich habe alles, was während des Fluges an Essen und Getränken angeboten wurde, in diese Kühlbox getan. Zu Hause angekommen habe ich dann alles abgewogen und den entsprechenden Nährwert errechnet.
Und so hat sich der Flug abgespielt:
Kurz nach dem Start erhielten wir eine kleine Packung Brezel-ähnlicher Klößchen aus Bleichmehl und eine Art Sprudel-Limo.
Das Abendessen bestand aus Brötchen mit Butter; Hähnchen, Reis und Kohl mit Soße; Kräckern und Käse; einem kleinen Salat mit Croutons und Dressing; einem Brownie aus drei verschiedenen Schokoladensorten und einer kleinen Flasche Wein. Kurz nach dem Abendessen gab es ein weiteres Brötchen und ein Getränk. Ich wählte Orangensaft, den ich in einen eigens zu diesem Zweck mitgebrachten kleinen Behälter füllte.
Zum Frühstück gab es Butter-Croissants und wieder Orangensaft. Kurz darauf erhielten wir wieder ein Croissant, einen kleinen Schokoriegel und ein weiteres Getränk. Diesmal wählte ich Apfelsaft.
Es bedarf keiner großartigen wissenschaftlichen Analysen um zu ersehen, dass der Anspruch, den Swiss Airlines auf seiner Website erhebt, eine „ausgewogene, natürliche und gesunde Küche“ anzubieten, einer auch nur oberflächlichen Untersuchung nicht standhalten kann.
Trotzdem habe ich alles gewogen, gemessen und berechnet, und habe folgende Ergebnisse erzielt:
Die kleinen Häppchen vor dem Abendessen sowie das Abendessen selber enthielten 1387 Kalorien, 217 g Kohlenhydrate, 27 g Protein und 45 g Fett.
Das Frühstück enthielt 580 Kalorien, 94 g Kohlenhydrate, 11 g Protein und 18 g Fett.
Wer auch immer gesagt hat, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages sei, hatte sicherlich andere Vorstellungen dabei. Ein ausgewogenes Frühstück für Personen, die auf ihr Gewicht achten, sollte aus etwa 40% Kohlenhydraten, 40% Protein und 20% Fett bestehen. Dieses Frühstück enthielt 65% Kohlenhydrate, 7,5% Protein und 28% Fett.
Der Flug dauerte 6 Stunden, und innerhalb dieses Zeitraums wurden uns insgesamt 1966 Kalorien serviert. In einem Flugzeug, in dem man gezwungenermaßen nur herumsitzen kann, verbraucht der durchschnittliche Fluggast etwa 500 Kalorien in 6 Stunden, was bedeutet, dass man nahezu 1500 Kalorien mehr zu sich nimmt, als man verbraucht.
Bei einem Hin- und Rückflug nimmt man also 3000 Kalorien mehr auf, als man verbraucht, und wenn man auch nur 3 Mal im Jahr fliegt, nimmt man, nur aufgrund der Flüge, 1 Kilogramm an Körperfett zu. Wenn man dies Jahr für Jahr macht ist es nicht verwunderlich, dass fast 50% aller Europäer übergewichtig sind, und 20% als fettleibig eingestuft werden müssen. Und dabei sind die Frühstücksbuffets, die Plünderungen der Minibar im Hotel und all die anderen Ausschweifungen, die man sich im Urlaub oder auf Reisen gewöhnlich gönnt, nicht mit eingerechnet.
Zu ihrer Verteidigung muss jedoch angemerkt werden, dass Swiss Airlines die folgenden Alternativen anbietet:
Ein Menü für Diabetiker, ohne Zucker oder Kohlenhydrate.
Ein Schonkost-Menü mit leichten, fettarmen Gerichten.
Ein Menü mit wenig Kalorien ohne Teig- und Backwaren oder Sahne.
Dies muss man jedoch vor dem Flug eigens anmelden. Wenn man diese Sondergerichte bestellt, wird ein kleines Fähnchen an Ihren Sitz gesteckt, so dass die Flugbegleiter sie entsprechend identifizieren können. Ich habe mich umgesehen und in meinem Abteil, das für 120 Passagiere ausgelegt war, nur 4 solcher Fähnchen gesehen. Das sind weniger als 3%, und ich habe den Verdacht, dass die meisten, die diese Sondergerichte bestellt haben, entweder Vegetarier sind oder es aus religiösen Gründen tun.
Wenn also - sei es aus Unwissenheit oder Gleichgültigkeit - nur so wenig Passagiere Sondergerichte bestellen, wäre es doch angebracht, wenn die Fluglinien einfach ihre „Normal-Menüs“ aus gesünderen Zutaten zusammenstellen würden. |
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